Ich mag Zugfahren. Man hat Platz, die meisten reisen allein und sind in soziophob-stummem Koma versunken, man liest oder setzt sich was feines auf die Ohren. Für Kleinkinder gibt es – meistens – schalldichte Extrakabinenkäfige, für Quarzer auch, für Gruppenreisende nicht. Sollte es aber. Sonst muss ich mir eine vermutlich inhumane Kriegsstrategie ausdenken. Gruppenreisende bestehen aus mindestens zwei oder mehr Ehepaaren der 60-Plus-Infantilerie, deren Partner sich seit Jahrzehnten nichts mehr zu sagen haben und grässlich auf die Nerven gehen – die aber auch den mitreisenden Leidensgenossen außer Themen wie Wetter, Lebensmittelaufnahmepalawer oder längst verstorbenen Scherzen nichts mitzuteilen haben. Minus und minus bleibt eben minus. So sticheln sich Mutti und Vati halblaut an und auch untereinander ist im Ton der Fistelstimmchen immer ein wenig mühsam unterdrückter Amok zu erlauschen. Vor allem aber sind sie laut und einfältig und haben Unmengen von geschmierten Broten mit Salami und Butterkäse und Cherry-Tomaten und Tetrapack-Orangensäftchen dabei. Scheidung ist doch eine tolle Erfindung, nur niemand, der es echt nötig hätte, nutzt sie. Wenigstens ein kleiner feiner Giftmord, um die Evolutionsbremse neben sich loszuwerden, wäre doch vielleicht mal drin, oder, Silver Surfers? Bucht wenigstens das Raucherabteil – weil ist jetzt auch egal, was sich in der Lunge festsetzt, gell – oder die Kinderkrippe.
lookin' good. feelin' gorgeous. talkin' bitchy!
Samstag, 3. Februar 2007
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